Das Leitbild der UNESCO Mittelschule Bürs

Das Leitbild der Unesco Mittelschule Bürs verfolgt die Prinzipien der weltweiten Organisation der Unesco Schulen und Prinzipien der Reformpädagogik der letzten mehr als hundert Jahren.

Die Ziele von UNESCO-Projektschulen waren von Anfang an

  • die Menschenrechte für alle verwirklichen;
  • Nachhaltigkeit lernen, die Umwelt schützen und bewahren;
  • Anderssein der anderen akzeptieren, sich gegenseitig tolerieren und voneinander lernen;
  • Armut und Elend bekämpfen;
  • die globale Entwicklung voranbringen.

Heute sind sie in den Leitlinien verdeutlicht:

 

Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung

  • Die Menschenrechte und die Prinzipien der Demokratie kennen, sie im Alltag respektieren und für ihre Umsetzung einstehen
  •  Kenntnisse über Verfahren der individuellen und gesellschaftlichen Konfliktbewältigung haben
  • Ursachen nationaler und internationaler Konflikte untersuchen und Initiativen für Konfliktbeilegung kennen
  • Das Spektrum der internationalen Vereinbarungen verstehen; die Menschenrechtssituation kritisch bewerten, eine kritische Einstellung gegenüber unterschiedlichen Rechtssystemen entwickeln

 

Interkulturelles Lernen

  •  Interesse für fremde Kulturen entwickeln, andere Kulturen und Lebensweisen kennenlernen und achten
  • Lernen, andere Perspektiven in Zusammenhängen zu erkennen, einzunehmen und Empathie zu entwickeln
  • Den erweiterten Kulturbegriff der UNESCO verstehen: Kulturpluralismus, Kultur als Tradition, Kommunikation und Zukunftsperspektiven
  • Respekt, Toleranz und Wertschätzung als Grundeinstellung entwickeln und danach handeln

 

Umwelterziehung

  • Die Umweltprobleme - Luft, Klima, Wasser, Boden, Artenvielfalt, Energie, Müll, Ressourcen – verstehen und in Verbindung zu unseren Lebensstilen bringen
  • Ideen zu umweltbewusstem Handeln entwickeln und zu ihrer Umsetzung beitragen
  • Ökologisches Verständnis entwickeln
  • Sich nachhaltig umweltbewusst verhalten

 

Globales Lernen

  • Es gibt nur eine Welt, in der wir uns als Individuen in globalen Zusammenhängen sehen und verstehen
  • Globalisierung in allen Aspekten - positiven wie negativen – sehen und verstehen
  • Notwendigkeit internationaler Begegnung erkennen und Fähigkeiten zur interkulturellen Kooperation erwerben
  • Persönliche Mitverantwortung für Mensch und Umwelt erkennen, annehmen und auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene unter Berücksichtigung sozialer und ethischer Aspekte umsetzen

 

UNESCO-Welterbeerziehung

  • Österreichische, europäische und weltweite Welterbe-Stätten kennen und achten und als gemeinsames Erbe der Menschheit verstehen
  • Das Welterbe in seiner Vielfalt schätzen: Naturerbe, Kulturerbe, Erinnerungsstätten, Immaterielles Erbe
  • Aktiv am Erhalt und der Pflege bestehender Natur- und Kultur-Stätten mitarbeiten
  • Das UNESCO-Welterbe in Unterricht und Schulalltag verankern und nutzen, die Welterbestätten als außerschulische Lernorte erleben

Die Schüler einer UNESCO-Projektschule sollen über die Ziele informiert und über die Funktion dieser Ziele aufgeklärt werden. Außerdem sollen sich die Schüler selbst ein Bild über die Situation, lokal und global, politisch, kulturell und finanziell machen. Darüber hinaus sollen Umweltprobleme und Lösungen vermittelt werden. Die Schule hat weiterhin den Auftrag, die Schüler zu umweltbewusstem Handeln, friedlicher Konfliktlösung und Toleranz untereinander zu bewegen.

In erster Linie bezeichnet sich die Unesco Mittelschule Bürs als „Schule für Alle“, gemäß  § 3 der Menschenrechte aus dem Jahre 1948:

 

Artikel 1

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

Dieser Anspruch leitet sich auch aus dem „Humboldschen Bildungsideal“ ab, einer allgemeinen Menschenbildung, die nicht einen bestimmten Beruf als Ziel hat, sondern auf die Ermöglichung eines weiterführenden Lernens abzielt. Die Schule lehnt auch jede Art des Taylorismus ab und ist skeptisch den Überprüfungen rein kognitiver Fähigkeiten, wie sie in den letzten Jahren durch staatlich gelenkte Organisationen durchgeführt werden. Gleichzeitig muss erwähnt werden, dass sich die Ergebnisse der Unesco Schule Bürs immer in der Erwartungshaltung oder darüber befanden. Statt den kognitiven Fähigkeiten eine zu große Bedeutung zu gewähren, ist es uns ein großes Anliegen, die emotionale und soziale Intelligenz und Fähigkeiten unserer Kinder zu fördern. Schlüsselqualifikationen wie Selbsttätigkeit, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Zuhören, Präsentationsfähigkeit, Persönlichkeitsbildung, Herzensbildung,… haben höchsten Stellenwert. Alle angewandten Unterrichtsformen sind auf die Erlangung dieser Qualifikationen abgestimmt.

So ist die Pädagogik der Unesco-MS Bürs auf drei Säulen gebaut:

  • Sozialkompetenz
  • Eigenkompetenz
  • Fachkompetenz

Diese Kompetenzen durchdringen die ganze Unterrichtstätigkeit in allen Bereichen.

Sozialkompetenz wird durch das tägliche „Soziale Lernen“ am Morgen, durch den wöchentlichen „Klassenrat“ und durch das tägliche wertschätzende Miteinander erreicht. Die offenen Lernformen tragen ganz stark dazu bei, dass Gesprächsführung, Toleranz, Vertrautheit, Offenheit, Verzicht, Streitkultur,…. im täglichen Miteinander gelebt und vertieft wird. Auch die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen in Projekten, wie es bei Unesco - Schulen gelebt wird, trägt zur Verständigung bei.

Eigenkompetenz bedeutet seinen Platz in der Schulgemeinschaft zu finden, seine Fähigkeiten zu kennen und Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Es soll auch dazu führen, die Stärken auszubauen und die Schwächen auszugleichen. Ziel ist, die Persönlichkeit zu stärken und an den eigenen Stärken und Schwächen  zu arbeiten.

Fachkompetenz soll neben den Schlüsselqualifikationen nicht zu kurz kommen. Es soll aber immer in sinnvollen, begreifenden Kontexten stattfinden nach dem Motto: „Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten.“

Neben diesen drei Säulen ist es uns auch wichtig, den Kindern Zeit zu geben, in ihrem individuellen Tempo ihre Aufgaben zu erledigen. Dazu bieten wir offene Lernformen an, die in längeren Abschnitten – 2 Unterrichtseinheiten a 45 Minuten – stattfinden. Auch die sogenannten Realienfächer werden geblockt in 2 UE angeboten, damit sich die Kinder über einen längeren Zeitraum mit einem Thema befassen können. Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass die Dauer von 1,5 Stunden eine ideale Zeit ist, an einer Aufgabe intensiv zu arbeiten. Aus der Lernpsychologie wissen wir auch, dass Kinder im Alter von 10 und 11 Jahren sich höchstens 30 Minuten konzentrieren können. Deshalb sind alle Angebote mit Bewegung verbunden. Die Kinder können sich in der Freiarbeit frei bewegen, müssen es sogar manchmal, um gewisse Aufgaben (z.B. Laufdiktat) erfüllen zu können. Auch die geblockten Realienstunden werden durch individuelle Arbeit im Team am Thema aufgelockert.

Ein weiteres Anliegen der Schule ist es, Wohlbefinden zu schaffen und Schulangst zu vermeiden, um ein Klima zu schaffen, welches die Freude am lebenslangen Lernen fördert, im Sinne positiver Pädagogik. 

Als besonderes Vorbild sehen wir den sokratischen Eid des Pädagogen nach Hartmut von Hentig. Diesem Eid ist nachzustreben und die darin enthaltenen Gedanken mit Nachdruck zu verfolgen.

 

 

Der Sokratische Eid des Pädagogen nach Hartmut von Hentig

Als Lehrer und Erzieher verpflichte ich mich,

• die Eigenart eines jeden Kindes zu achten und gegen jedermann zu verteidigen;

• für seine körperliche und seelische Unversehrtheit einzustehen;

• auf seine Regungen zu achten, ihm zuzuhören, es ernst zu nehmen;

• zu allem, was ich seiner Person antue, seine Zustimmung zu suchen, wie ich es bei einem

Erwachsenen täte;

• das Gesetz seiner Entwicklung, soweit es erkennbar ist, zum Guten auszulegen und dem

Kind zu ermöglichen, dieses Gesetz anzunehmen;

• seine Anlagen herauszufordern und zu fördern;

• seine Schwächen zu schützen, ihm bei der Überwindung von Angst und Schuld, Bosheit

und Lüge, Zweifel und Misstrauen, Wehleidigkeit und Selbstsucht beizustehen, wo es das

braucht;

• seinen Willen nicht zu brechen – auch nicht, wo er unsinnig erscheint; ihm vielmehr dabei

zu helfen, seinen Willen in die Herrschaft seiner Vernunft zu nehmen; es also den mündigen

Verstandesgebrauch und die Kunst der Verständigung wie des Verstehens zu lehren;

• es bereit zu machen, Verantwortung in der Gemeinschaft und für diese zu übernehmen;

• es die Welt erfahren zu lassen, wie sie ist, ohne es der Welt zu unterwerfen, wie sie ist;

• es erfahren zu lassen, was und wie das gemeinte gute Leben ist; ihm eine  Vision

von der besseren Welt zu geben und die Zuversicht, dass sie erreichbar ist;

• es Wahrhaftigkeit zu lehren, nicht die Wahrheit, denn »die ist bei Gott allein«.

 

Damit verpflichte ich mich auch,

 

• so gut ich kann, selber vorzuleben, wie man mit den Schwierigkeiten, den Anfechtungen

und Chancen unserer Welt und mit den eigenen immer begrenzten Gaben, mit der eigenen

immer gegebenen Schuld zurechtkommt;

• nach meinen Kräften dafür zu sorgen, dass die kommende Generation eine Welt vorfindet,

in der es sich zu leben lohnt und in der die ererbten Lasten und Schwierigkeiten nicht deren

Ideen und Möglichkeiten erdrücken;

• meine Überzeugungen und Taten öffentlich zu begründen, mich der Kritik – insbesondere

der Betroffenen und Sachkundigen – auszusetzen, meine Urteile gewissenhaft zu prüfen;

• mich dann jedoch allen Personen und Verhältnissen zu widersetzen – dem Druck der öffentlichen Meinung, dem Verbandsinteresse, dem Beamtenstatus, der Dienstvorschrift, wenn diese meine hier bekundeten Vorsätze behindern.

Ich bekräftige diese Verpflichtung durch die Bereitschaft, mich jederzeit an den in ihr enthaltenen Maßstäben messen zu lassen.

 

Die Beurteilung der Kinder erfolgt in der 5. Und 6. Schulstufe mit einem Lernzielkatalog, bei uns „Pensenbuch“ genannt. Darin werden die erreichten Lernziele und Lernerfolge des Kindes aufgelistet. Dadurch wird Lernen sehr persönlich und kompetenzorientiert und weniger wettbewerbslastig. Für die nicht kognitiven Fähigkeiten gibt es einen eigenen Abschnitt für die Einschätzung des Klassenlehrerteams über das Arbeits- und Sozialverhalten des Kindes.

In der 7. Und 8. Schulstufe benutzen wir die Beurteilung, wie sie uns das Gesetz vorgibt, allerdings mit großen Vorbehalten und wenig Begeisterung dafür. Der gesamte Lehrkörper und auch der Großteil der Eltern würden der Beurteilung mit dem Pensenbuch, direkte Leistungsvorlage (Portfolio) und der verbalen Beurteilung im Kinder – Eltern – Lehrergespräch den Vorzug geben. So bewegen wir uns immer ein wenig im Spannungsfeld von Gesetz und pädagogischer Freiheit, immer zum Besten der uns anvertrauten Kinder.

 

Bernhard Neyer

Direktor